Pierre Bonnard: So erschließen sich seine Bilder

Henrik Albrecht
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Redaktionelle KI-Bildbearbeitung auf Grundlage eines Porträts.

Ein gedeckter Tisch, ein Zimmer, eine Figur am Bildrand: Pierre Bonnard malte häufig Dinge, die man zunächst für unspektakulär hält. Doch beim längeren Hinsehen kippt der Eindruck. Farben nehmen mehr Raum ein als Gegenstände, Spiegel verwirren die Orientierung, Menschen scheinen fast mit ihrer Umgebung zu verschmelzen. Wer Bonnard verstehen möchte, darf sich deshalb Zeit lassen.

Der französische Maler, Zeichner und Grafiker lebte von 1867 bis 1947. Seine Bilder verbinden vertraute Alltagsszenen mit einer erstaunlich freien Behandlung von Farbe und Raum. Dieser Zugang hilft beim ersten Museumsbesuch ebenso wie beim Betrachten einer digitalen Sammlung.

Pierre Bonnard in vier Stationen

  • 1867: Geburt in Fontenay-aux-Roses bei Paris.
  • Ende der 1880er-Jahre: Künstlerische Ausbildung in Paris und Anschluss an die Gruppe der Nabis.
  • 1926: Umzug nach Le Cannet in Südfrankreich.
  • 1947: Tod in Le Cannet am 23. Januar.

Bonnard studierte zunächst Jura, verfolgte daneben aber seine künstlerische Ausbildung. Er beschäftigte sich keineswegs ausschließlich mit Ölgemälden: Auch Druckgrafik und Buchgestaltung gehören zu seinem Werk. Das Künstlerprofil des Städel Museums bietet dafür einen kompakten Einstieg.

Was die Nabis mit seinen Bildern zu tun haben

Die Nabis waren eine Gruppe junger Künstler, die sich von der bloßen Nachahmung sichtbarer Wirklichkeit lösen wollten. Für Bonnard wurden dekorative Flächen, Muster und ungewohnte Ausschnitte wichtig. Japanische Farbholzschnitte gehörten zu den Anregungen.

Das erklärt, warum eine Tischdecke in seinem Bild ähnlich viel Aufmerksamkeit erhalten kann wie eine Person. Ein Muster ist keine nebensächliche Dekoration: Es beteiligt sich am Aufbau des ganzen Bildes. Die Frage „Was ist dargestellt?“ reicht deshalb allein nicht aus. Ebenso aufschlussreich ist: „Wie sind die Flächen angeordnet?“

Eine kleine Sehübung: erst Farbe, dann Raum, dann Menschen

  1. Mit der Farbe beginnen. Suchen Sie den hellsten Bereich und die kräftigste Farbe. Welche Stellen antworten einander, obwohl sie weit auseinanderliegen?
  2. Den Raum prüfen. Folgen Sie Tischkanten, Türen und Spiegeln. Lässt sich das Zimmer eindeutig rekonstruieren? Gerade ein irritierender Übergang kann interessant sein.
  3. Die Figuren entdecken. Prüfen Sie erst jetzt, wo Menschen auftauchen und wie deutlich sie vom Hintergrund getrennt sind.

Diese Reihenfolge ist eine Betrachtungshilfe, keine vorgeschriebene Deutung. Sie bremst lediglich die Gewohnheit, ein Bild nach wenigen Sekunden als „schönes Interieur“ abzuhaken.

Warum Bonnard aus der Erinnerung malte

Seine Gemälde entstanden nicht einfach als unmittelbare Abschriften eines fertig arrangierten Motivs. Skizzen und Erinnerungen halfen ihm, Eindrücke im Atelier weiterzuentwickeln. Daraus ergibt sich eine wichtige Unterscheidung: Der Ausgangspunkt kann alltäglich sein, das fertige Bild folgt dennoch einer eigenen Ordnung.

Das Städel beschreibt in seinem Beitrag über den modernen Blick auch die überraschenden und irritierenden Seiten dieser Malerei. Sonnige Farben bedeuten bei Bonnard nicht automatisch ungetrübtes Glück. Ein angeschnittener Körper oder ein schwer lesbarer Spiegel kann die behagliche Atmosphäre stören.

Marthe und die wiederkehrenden Motive

Marthe, mit bürgerlichem Namen Maria Boursin, begegnete Bonnard 1893. Die beiden heirateten 1925. Sie wurde zu einer zentralen Figur seiner Malerei, etwa in häuslichen Szenen und Aktbildern.

Ein gemalter Körper ist dabei kein verlässlicher Bericht über das Privatleben des Modells. Sinnvoller ist es, die wiederholte Beschäftigung mit Figur, Licht und Umgebung zu betrachten. Auch Bonnards langjährige Freundschaft mit Henri Matisse gehört zum kunsthistorischen Zusammenhang. Eine gemeinsame Ausstellung im Städel fand 2017/18 statt; sie ist keine aktuelle Veranstaltung.

Ein Werk für den Einstieg: Les Boulevards

Wer neben den Gemälden Bonnards grafische Arbeit kennenlernen möchte, findet in der digitalen Städel-Sammlung Les Boulevards von 1900. Der Farbdruck eignet sich gut, um über Ausschnitt, Bewegung und das Verhältnis von Figur und Fläche nachzudenken. Der digitale Nachweis bedeutet allerdings nicht, dass ein Blatt dauerhaft im Museum ausgestellt ist.

Wie Kleidung und Gestaltung eine Bildwirkung verändern können, ist auch ein Thema unseres Porträts über Lola Paltinger. Bei Bonnard lohnt sich der Blick auf Muster besonders: Sie tragen oft mehr zur Wirkung bei, als man zunächst vermutet.

Häufige Fragen zu Pierre Bonnard

War Pierre Bonnard ein Impressionist?

Er wird häufig dem Postimpressionismus zugerechnet und gehörte den Nabis an. Die Bezeichnung Impressionist allein beschreibt seine eigenständige Arbeit mit Farbe und Bildraum nur unvollständig.

Welche Motive malte er?

Zu seinen wiederkehrenden Motiven zählen Interieurs, Stillleben, Gärten, Landschaften und Figuren im häuslichen Umfeld.

Wer war Marthe Bonnard?

Sie war seine langjährige Partnerin und spätere Ehefrau. In vielen seiner Bilder ist sie als Modell präsent.

Wo kann man seine Kunst online ansehen?

Die digitale Sammlung des Städel Museums enthält mehrere Werkdatensätze. Sie ermöglicht einen ersten Blick, unabhängig davon, welche Arbeiten gerade vor Ort gezeigt werden.

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Henrik Albrecht ist ein virtuelles Autorenprofil und redaktionelles Pseudonym von nordkurier-online.de. Unter diesem Namen erscheinen Porträts und Hintergrundbeiträge zu Literatur, Mode und Kultur. Der Schwerpunkt liegt auf der Frage, wie aus Ideen Bücher, Entwürfe und andere kreative Arbeiten werden. Der redaktionelle Anspruch verbindet verständliche Einordnung mit einem Blick auf Werke und berufliche Entwicklungen. Das Profil ist keine reale Journalistenbiografie und enthält keine Angaben zu einem persönlichen Wohnort oder einer eigenen beruflichen Laufbahn.